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Wie hängen Parodontitis und Diabetes zusammen?

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Parodontitis und Diabetes verstärken sich gegenseitig. Ein schlecht eingestellter Blutzucker erhöht das Risiko für Parodontitis und lässt sie schneller fortschreiten. Umgekehrt erschwert eine unbehandelte Parodontitis die Blutzuckerkontrolle. Drei bis vier Monate nach einer Parodontitis-Behandlung lag der Langzeitzucker in Studien im Mittel 0,43 Prozentpunkte niedriger als ohne Behandlung. Lassen Sie Ihr Zahnfleisch mindestens einmal im Jahr untersuchen.

Ein Blutzuckermessgerät, eine Zahnbürste und einige Zwischenraumbürsten liegen auf einer hellen Arbeitsplatte.
Bei Diabetes gehören Blutzucker und Zahnfleisch zusammen in den Blick. Bild: KI generiert.

Wie erhöht Diabetes das Risiko für Parodontitis?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats. Dazu gehören das Zahnfleisch, die Wurzelhaut und der Kieferknochen, die den Zahn im Mund halten. Auslöser sind Bakterien im Zahnbelag am und unter dem Zahnfleischrand. Ein dauerhaft hoher Blutzucker verstärkt nach heutigem Wissen die Entzündung im Körper und bremst die Wundheilung am Zahnhalteapparat.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben dreimal so häufig eine Parodontitis wie Menschen ohne Diabetes. Das steht in der Behandlungsempfehlung der zahnärztlichen Fachgesellschaften und der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus dem Jahr 2024.

Entscheidend ist, wie gut Ihr Blutzucker eingestellt ist. Das zeigt der Langzeitzucker, auch HbA1c-Wert genannt. Er spiegelt, wie gut Ihre Blutzuckerwerte in den letzten drei Monaten eingestellt waren. Ist der Diabetes gut eingestellt, schreitet eine Parodontitis nicht schneller voran als ohne Diabetes, und die Behandlung wirkt ähnlich gut. Mit schlechter eingestelltem Blutzucker schreitet der Abbau am Zahnhalteapparat schneller voran, und es gehen mehr Zähne verloren.

In der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie hatten 16,0 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes und 5,6 Prozent der Menschen ohne Typ-2-Diabetes eine schwere Parodontitis. Keine eigenen Zähne mehr hatten 8,3 Prozent mit und 2,1 Prozent ohne Typ-2-Diabetes. Nur bei Beschwerden gingen 18 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes zur Zahnarztpraxis, ohne Typ-2-Diabetes waren es 10 Prozent.

So unterscheidet sich die Mundgesundheit von Erwachsenen mit und ohne Typ-2-Diabetes in der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie, veröffentlicht 2026.
MerkmalMit Typ-2-DiabetesOhne Typ-2-Diabetes
Schwere Parodontitis16,0 Prozent5,6 Prozent
Keine eigenen Zähne mehr8,3 Prozent2,1 Prozent
Fehlende Zähne bei Menschen mit eigenen Zähnen7,8 Zähne4,2 Zähne
Zahnarztbesuch nur bei Beschwerden18 Prozent10 Prozent

Menschen mit Typ-2-Diabetes waren in der Studie im Schnitt älter. Die Forschenden haben deshalb Alter, Rauchen, Zahnpflege und weitere Einflüsse herausgerechnet. Auch danach war das Zahnfleisch mit Diabetes stärker erkrankt, besonders bei einem HbA1c-Wert über 7 Prozent.

Wie wirkt Parodontitis auf den Blutzucker?

Die Entzündung bleibt nicht im Mund. Bakterien und Entzündungsstoffe aus den Zahnfleischtaschen können über die Blutbahn in den Körper gelangen. Eine schwere Parodontitis geht mit höheren Langzeitzuckerwerten einher, bei Menschen mit und ohne Diabetes.

Mit Diabetes macht eine Parodontitis die Einstellung des Blutzuckers schwieriger. Außerdem steigt das Risiko für Folgeschäden des Diabetes, etwa an Herz, Nieren und Augen. Studien deuten zudem darauf hin, dass Menschen mit schwerer Parodontitis häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken.

Eine Behandlung der Parodontitis kann den Blutzucker verbessern. Eine Auswertung von 35 Studien mit 3.249 Teilnehmenden hat das 2022 zusammengefasst, fast alle Studien mit Typ-2-Diabetes. Drei bis vier Monate nach der Behandlung lag der Langzeitzucker im Mittel 0,43 Prozentpunkte niedriger als ohne Behandlung. Nach sechs Monaten betrug der Unterschied 0,3 Prozentpunkte.

Die Fachgesellschaften halten diese Ergebnisse für mäßig sicher. Für Typ-1-Diabetes fehlen solche Studien bisher.

Was ändert Diabetes an der Parodontitis-Behandlung?

Die Kasse zahlt eine Parodontitis-Behandlung, wenn eine Zahnfleischtasche 4 Millimeter oder tiefer ist. Ablauf, Fristen und Kosten erklärt der Artikel zur Parodontitis-Behandlung auf Kassenkosten. Mit Diabetes kommen drei Punkte dazu.

  • Die Praxis hält Ihren Diabetes und Ihren Langzeitzucker, den HbA1c-Wert, schriftlich fest. Das verlangen die Regeln der Kasse für jede Parodontitis-Behandlung.
  • Die gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen ist unabhängig von Ihrem Blutzucker möglich. Ist danach ein Eingriff am Zahnfleisch nötig, sollte Ihr Blutzucker vorher so gut wie möglich eingestellt sein.
  • Ihr Langzeitzucker fließt in die Einschätzung ein, wie schnell Ihre Parodontitis fortschreitet. Davon hängt ab, wie oft Sie danach zur Nachsorge kommen.

Die Praxis unterscheidet dabei drei Grade. Grad A steht für einen langsamen Verlauf, Grad B für einen mittleren und Grad C für einen schnellen. Ein Diabetes mit einem HbA1c-Wert unter 7,0 Prozent spricht für Grad B, ein Wert ab 7,0 Prozent für Grad C. Je höher der Grad, desto mehr Nachsorgetermine sieht die Kasse in den zwei Jahren nach der Behandlung vor.

Gerade mit Diabetes zählt die Nachsorge. In einer Studie wurden Menschen nach der Parodontitis-Behandlung fünf Jahre lang in der Nachsorge begleitet. Mit schlecht eingestelltem Diabetes schritt die Parodontitis stärker voran, und es gingen mehr Zähne verloren als mit gut eingestelltem oder ohne Diabetes.

Wie oft sollten Sie mit Diabetes zur Zahnkontrolle?

Gehen Sie mit Diabetes mindestens einmal im Jahr zur Kontrolle, auch ohne Beschwerden, und lassen Sie dabei Ihr Zahnfleisch untersuchen. Das empfehlen die zahnärztlichen Fachgesellschaften und die Deutsche Diabetes Gesellschaft gemeinsam. Eine Parodontitis kann nämlich lange ohne Schmerzen voranschreiten, und bei der Kontrolle kann die Praxis Frühzeichen erkennen.

Die Kasse zahlt die zahnärztliche Kontrolle zweimal im Jahr und die Zahnsteinentfernung einmal im Jahr. Den kurzen Test, bei dem die Praxis die Tiefe Ihrer Zahnfleischtaschen misst, zahlt sie alle zwei Jahre. Fragen Sie Ihre Praxis, wie sie Ihr Zahnfleisch im Jahr dazwischen prüft und ob dafür Kosten entstehen.

Zu Hause putzen Sie zweimal am Tag die Zähne. Die Zwischenräume reinigen Sie mit kleinen Zwischenraumbürsten, wo sie hineinpassen, und sonst mit Zahnseide. Die gemeinsame Empfehlung rät Menschen mit Diabetes außerdem zu regelmäßiger professioneller Zahnreinigung. Sie zahlen sie in der Regel zumindest teilweise selbst, viele Kassen geben aber einen Zuschuss.

So stimmen sich Hausarztpraxis und Zahnarztpraxis ab

Damit zwischen Hausarztpraxis und Zahnarztpraxis keine Information verloren geht, verteilt die gemeinsame Empfehlung der Fachgesellschaften feste Aufgaben.

So arbeiten Hausarztpraxis, Zahnarztpraxis und Sie zusammen
  1. Die Hausarztpraxis klärt auf

    Ihre Hausarztpraxis soll Sie auf das höhere Risiko für Parodontitis hinweisen. Sie soll Ihnen raten, Zähne und Zahnfleisch als Teil Ihrer Diabetes-Behandlung untersuchen zu lassen.

  2. Sie bringen Ihre Werte mit

    Nehmen Sie Ihren Gesundheits-Pass Diabetes mit in die Zahnarztpraxis. Darin steht inzwischen auch der Hinweis auf die jährliche Zahnkontrolle.

  3. Die Zahnarztpraxis fragt nach dem Blutzucker

    Das Praxisteam fragt, wie gut Ihr Blutzucker eingestellt ist, und untersucht Ihr Zahnfleisch. Vor einer Parodontitis-Behandlung hält es Ihren Langzeitzucker fest, den HbA1c-Wert.

  4. Das Gespräch vor der Behandlung

    Die Praxis erklärt Ihnen, wie Ihre Erkrankungen zusammenwirken. Gibt es Hinweise, dass Ihr Diabetes nicht ausreichend behandelt ist, schickt sie Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

  5. Ein Eingriff wird gemeinsam geplant

    Steht ein Eingriff am Zahnfleisch an, sprechen Sie vorher mit Ihrer Hausarztpraxis. Ihr Blutzucker sollte dann so gut wie möglich eingestellt sein.

Manchmal fällt ein Diabetes zuerst in der Zahnarztpraxis auf. In Deutschland leben nach Schätzungen rund 2 Millionen Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, von dem sie nichts wissen. Bis zur Diagnose vergehen im Schnitt 8 Jahre. Rät Ihnen die Zahnarztpraxis zu einer Blutzuckerkontrolle, gehen Sie bald zur Hausarztpraxis. Teilen Sie der Zahnarztpraxis danach das Ergebnis mit.

Welche Warnzeichen einer Parodontitis bemerken Sie selbst?

Die Fachgesellschaften nennen sieben Zeichen, bei denen Sie mit Diabetes bald zur Zahnarztpraxis gehen sollten.

  • Ihr Zahnfleisch ist rot, geschwollen oder blutet.
  • Aus dem Zahnfleisch tritt Eiter aus.
  • Sie haben einen schlechten Geschmack im Mund.
  • Ihre Zähne wirken länger als früher.
  • Ein Zahn ist locker.
  • Die Lücken zwischen den Zähnen werden größer.
  • Sie sehen Zahnstein oder Beläge an den Zähnen.

Eine Parodontitis kann aber auch ohne spürbare Zeichen fortschreiten. Der Blick in den Spiegel ersetzt die jährliche Kontrolle deshalb nicht. Mit Diabetes können außerdem ein trockener Mund, Brennen im Mund, Pilzinfektionen und schlecht heilende Wunden im Mund auftreten. Sprechen Sie auch diese Beschwerden in der Zahnarztpraxis an.

Häufige Fragen

Kann eine Parodontitis-Behandlung den Blutzucker senken?

Ja, eine Parodontitis-Behandlung kann den Langzeitzucker bei Typ-2-Diabetes senken, im Mittel um 0,43 Prozentpunkte nach drei bis vier Monaten. Das zeigt eine Auswertung von 35 Studien aus dem Jahr 2022. Nach sechs Monaten lag der Unterschied bei 0,3 Prozentpunkten. Für Typ-1-Diabetes reichen die Daten nicht aus.

Wie oft sollten Menschen mit Diabetes zur Zahnkontrolle gehen?

Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal im Jahr zur Zahnkontrolle gehen, auch ohne Beschwerden. Das empfehlen die zahnärztlichen Fachgesellschaften und die Deutsche Diabetes Gesellschaft gemeinsam. Die Kontrolle soll das Zahnfleisch einschließen, weil eine Parodontitis lange ohne Schmerzen voranschreiten kann.

Schreitet eine Parodontitis bei gut eingestelltem Diabetes schneller voran?

Nein, bei gut eingestelltem Diabetes schreitet eine Parodontitis nicht schneller voran als bei Menschen ohne Diabetes. Auch die Behandlung wirkt dann ähnlich gut. Mit schlechter eingestelltem Blutzucker steigt dagegen das Risiko für Abbau am Zahnhalteapparat und für Zahnverlust.

Muss der Blutzucker vor einer Parodontitis-Behandlung gut eingestellt sein?

Nein, die gründliche Reinigung der Zahnfleischtaschen ist bei einer Parodontitis-Behandlung unabhängig vom Blutzucker möglich. Vor einem Eingriff am Zahnfleisch sollte der Blutzucker aber so gut wie möglich eingestellt sein. Stimmen Sie den Zeitpunkt dafür mit Ihrer Hausarztpraxis ab.

Was sollten Menschen mit Diabetes zum Zahnarzt mitbringen?

Menschen mit Diabetes bringen am besten ihren Gesundheits-Pass Diabetes und ihren letzten Langzeitzuckerwert, den HbA1c-Wert, zum Zahnarzt mit. Die Zahnarztpraxis fragt nach dem Blutzucker, weil er für die Einschätzung einer Parodontitis zählt. Bei einer Parodontitis-Behandlung muss die Praxis den HbA1c-Wert schriftlich festhalten.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Diabetes und Parodontitis, AWMF-Registernummer 083-015, Stand Juni 2024, gültig bis Juni 2029, Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Deutsche Diabetes Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,
  2. Querschnittliche Zusammenhänge zwischen Typ-2-Diabetes und oralen Erkrankungen, Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (englische Fassung, Quintessence International 2026, Supplement S106 bis S116), Institut der Deutschen Zahnärzte, Holtfreter und andere, Quintessence Publishing,
  3. Parodontitis und Diabetes, Patienteninformation, Deutsche Gesellschaft für Parodontologie,
  4. Tabelle Staging und Grading der Parodontitis nach der Klassifikation von 2018, Fassung 2021, Deutsche Gesellschaft für Parodontologie,
  5. PAR-Richtlinie, Fassung vom 19. Dezember 2024, in Kraft seit 1. Juli 2025, Paragrafen 2, 3, 4, 6, 8 und 13, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  6. Diabetes und Parodontitis: Neue S2k-Leitlinie stärkt interdisziplinäre Zusammenarbeit, Pressemitteilung vom 10. Dezember 2024, Deutsche Diabetes Gesellschaft,
  7. Zahnfleischentzündung und Parodontitis, Stand 28. August 2024, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG, Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de,
  8. Zahnvorsorge und Mundhygiene, geprüft durch DG PARO und DGZMK, Stand 9. Juni 2021, Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de,

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Stand dieser Angaben: 2. Oktober 2026.