Woher kommt Zahnfleischrückgang?
Bei gesunden Zähnen bedeckt das Zahnfleisch den Zahnhals. Das ist der Übergang von der Zahnkrone zur Zahnwurzel. Zieht sich das Zahnfleisch zurück, liegt der Zahnhals frei, und der Zahn wirkt länger.
Die häufigste Ursache ist nicht das Alter, sondern eine Krankheit, die Parodontitis. Das ist eine chronische Entzündung, die Zahnfleisch, Haltefasern und Kieferknochen angreift. Zwar verändert sich das Zahnfleisch auch mit den Jahren. Eine Parodontitis kommt aber schon bei jungen Erwachsenen und manchmal sogar bei Kindern vor.
Bei jungen Menschen kann Zahnfleischrückgang auch andere Gründe haben. Dazu gehört zu kräftiges Zähneputzen. Wer schrubbt, kann das Zahnfleisch so stark schädigen, dass die Wurzel frei liegt und Rillen im Zahn entstehen. Auch schiefe Zähne und Piercings machen es leichter, dass die Wurzel frei liegt, weil sie die Zahnpflege erschweren und Entzündungen fördern.
Auch nach einer Parodontitis-Behandlung kann das Zahnfleisch zurückgehen. Wenn die Zahnfleischtaschen heilen, strafft sich das Zahnfleisch. Je nachdem, wie tief die Taschen waren, wirken die Zähne danach länger und die Zwischenräume breiter.
Lässt sich Zahnfleischrückgang aufhalten?
Steckt eine Parodontitis dahinter, soll eine Behandlung verhindern, dass sie weiter fortschreitet. Ab 4 Millimeter tiefen Zahnfleischtaschen zahlt die Kasse die Parodontitis-Behandlung mit 2 Jahren Nachsorge. Die Praxis reinigt dabei die Taschen auch unter dem Zahnfleischrand.
Was eine fortgeschrittene Parodontitis an Knochen und Haltefasern zerstört hat, lässt sich weitgehend nicht rückgängig machen. Die Behandlung soll deshalb vor allem den Zustand halten. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie rät, die Nachsorge danach dauerhaft weiterzuführen. Ohne regelmäßige Nachsorge kommt die Erkrankung nach ihren Angaben wieder.
Kommt der Rückgang vom Putzen, zeigt Ihnen die Praxis eine schonende Technik. Damit putzen Sie gründlich, ohne zu schrubben.
Freiliegende Zahnhälse sind oft empfindlich. Die freie Wurzel bekommt außerdem leichter Karies, und für die breiteren Zwischenräume passen oft andere Hilfsmittel als vorher. Die regelmäßige Nachsorge soll auch dieser Wurzelkaries vorbeugen.
Kann die Praxis freiliegende Zahnhälse wieder decken?
In manchen Fällen kann die Praxis freiliegende Zahnhälse wieder mit Zahnfleisch decken. Sie gewinnt dafür an anderer Stelle eigenes Gewebe und überträgt es auf den Zahnhals. Die Stelle, an der sie das Gewebe entnommen hat, muss danach ebenfalls heilen.
Die Fachgesellschaft für Parodontologie nennt dafür eine Reihenfolge. Zuerst kommt die Anleitung zum richtigen Putzen, eine Zahnfleischtransplantation erst im schlimmsten Fall. Die Transplantation soll Gesundheit und Aussehen verbessern. Ob sie bei Ihnen in Frage kommt, beurteilt die Praxis an Ihrem Befund.
Fragen Sie vor der Entscheidung nach dem Ablauf, nach der Heilung an beiden Stellen und nach den Kosten. Den Eingriff zahlen Sie als Kassenpatient selbst.
Was zahlt die Kasse bei Zahnfleischrückgang?
Bei Zahnfleischrückgang zahlt die Kasse die Untersuchung und die Behandlung einer Parodontitis. Den Zahnfleisch-Test, in der Praxis PSI genannt, zahlt sie alle 2 Jahre. Dabei vermerkt die Praxis auch Stellen, an denen das Zahnfleisch 3,5 Millimeter oder mehr zurückgegangen ist.
Empfindliche Zähne behandelt die Praxis auf Kassenkosten, je Sitzung. Harten Zahnstein entfernt sie einmal im Jahr, ebenfalls auf Kassenkosten.
Das Decken freiliegender Zahnhälse mit eigenem Gewebe steht nicht im Verzeichnis der Kassenleistungen. Die Praxis berechnet es nach der Gebührenordnung für Zahnärzte. Vorher muss sie Ihnen schriftlich sagen, was es voraussichtlich kostet.
Allein die Gebühr für das Übertragen von Bindegewebe liegt zwischen 49,49 Euro und 173,23 Euro je Zahnzwischenraum, beim 2,3fachen Satz für durchschnittlichen Aufwand bei 113,83 Euro. Dazu kommen weitere Posten wie die Betäubung. Eine professionelle Zahnreinigung kostet meist 44 bis 117 Euro, und viele Kassen geben freiwillig etwas dazu.
| Leistung | Wer zahlt | Wie oft oder wie viel |
|---|---|---|
| Zahnfleisch-Test | Kasse | alle 2 Jahre |
| Parodontitis-Behandlung mit Nachsorge | Kasse | ab 4 Millimeter tiefen Taschen, Nachsorge 2 Jahre |
| Behandlung empfindlicher Zähne | Kasse | je Sitzung |
| Zahnstein entfernen | Kasse | einmal im Jahr |
| Professionelle Zahnreinigung | Sie selbst, viele Kassen geben etwas dazu | meist 44 bis 117 Euro |
| Zahnhals mit eigenem Gewebe decken | Sie selbst | Gebühr für das Gewebe 49,49 bis 173,23 Euro |
6 Regeln, die Ihr Zahnfleisch beim Putzen schonen
Der häufigste Fehler beim Putzen ist, zu kurz und nicht gründlich genug zu putzen. Zu viel Druck schadet aber ebenfalls.
- Putzen Sie zweimal am Tag gründlich, aber ohne Schrubben und ohne viel Druck.
- Lassen Sie sich in der Praxis eine Technik zeigen, mit der Sie alle Zahnflächen erreichen.
- Reinigen Sie die Zwischenräume. Hat sich das Zahnfleisch dort zurückgezogen, sind Zwischenraumbürsten die beste Wahl, weil sie mehr Belag entfernen als Zahnseide.
- Nehmen Sie bei empfindlichen Zahnhälsen eine Zahnpasta für empfindliche Zähne. Sie reibt wenig ab und enthält Stoffe, die Beschwerden lindern können.
- Meiden Sie aufhellende Zahnpasta, wenn Ihre Zähne empfindlich sind, denn sie reibt stärker ab.
- Achten Sie darauf, dass Ihre Zahnpasta Fluorid enthält.
Wann Sie mit Zahnfleischrückgang zur Praxis gehen
Zahnfleisch, das sich zurückzieht, ist eines der Warnzeichen für eine Parodontitis. Weitere Warnzeichen sind gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, dauerhafter Mundgeruch, empfindliche Zahnhälse, Eiter aus den Zahnfleischtaschen und lockere Zähne. Kommt Zahnfleischbluten dazu, ist das Zahnfleisch meist entzündet. Bemerken Sie eines dieser Zeichen, lassen Sie Ihr Zahnfleisch untersuchen.
Blutet Ihr Zahnfleisch, oder ist ein Zahn locker?
Lassen Sie bald untersuchen, ob eine Parodontitis dahintersteckt. Ab 4 Millimeter tiefen Taschen zahlt die Kasse die Behandlung.
Putzen Sie mit viel Druck, oder schrubben Sie?
Lassen Sie sich in der Praxis eine schonende Technik zeigen. Schrubben kann Zahnfleisch und Zahnhals schädigen.
Sind die freiliegenden Zahnhälse empfindlich?
Die Behandlung empfindlicher Zähne zahlt die Kasse. Fragen Sie auch nach einer passenden Zahnpasta.
Lassen Sie den Rückgang bei der nächsten Kontrolle messen. Den Zahnfleisch-Test zahlt die Kasse alle 2 Jahre.
Häufige Fragen
Wächst zurückgegangenes Zahnfleisch wieder nach?
Nein, Zahnfleisch, das durch eine fortgeschrittene Parodontitis zurückgegangen ist, wächst weitgehend nicht von allein nach. Die Schäden an Knochen und Haltefasern lassen sich kaum rückgängig machen. In manchen Fällen kann die Praxis freiliegende Zahnhälse mit eigenem Gewebe decken, das zahlen Kassenpatienten selbst.
Zahlt die Krankenkasse eine Zahnfleischtransplantation bei Zahnfleischrückgang?
Nein, eine Zahnfleischtransplantation bei Zahnfleischrückgang zahlen Kassenpatienten selbst. Allein die Gebühr für das Übertragen von Bindegewebe beträgt beim 2,3fachen Satz 113,83 Euro je Zahnzwischenraum, dazu kommen weitere Posten. Die Behandlung einer Parodontitis und empfindlicher Zähne zahlt die Kasse.
Ist Zahnfleischrückgang eine normale Alterserscheinung?
Nein, die häufigste Ursache für Zahnfleischrückgang ist nicht das Alter, sondern eine Parodontitis. Das Zahnfleisch verändert sich zwar auch mit den Jahren. Bei jungen Menschen kann Zahnfleischrückgang auch von zu kräftigem Putzen, schiefen Zähnen oder Piercings kommen.
Kann zu festes Zähneputzen Zahnfleischrückgang auslösen?
Ja, zu festes Zähneputzen kann Zahnfleisch und Zahnhals schädigen. Wer schrubbt, kann die Wurzel freilegen und Rillen in den Zahn putzen. Ihre Praxis zeigt Ihnen eine schonende Technik, mit der Sie trotzdem gründlich putzen.
Was hilft gegen empfindliche Zahnhälse bei Zahnfleischrückgang?
Gegen empfindliche Zahnhälse kann eine Zahnpasta für empfindliche Zähne helfen, die wenig abreibt und Stoffe gegen die Beschwerden enthält. Die Praxis kann empfindliche Zähne auch behandeln, das zahlt die Kasse je Sitzung. Aufhellende Zahnpasta reibt stärker ab und eignet sich für empfindliche Zähne eher nicht.
