Was ist eine Periimplantitis?
Eine Periimplantitis ist eine Entzündung im Gewebe um ein Zahnimplantat. Bakterien aus dem Zahnbelag lösen sie aus. Die Entzündung baut nach und nach den Kieferknochen ab, der das Implantat hält. Das geschieht nicht gleichmäßig, sondern mal schneller und mal langsamer.
Fast immer beginnt eine Periimplantitis mit einer Entzündung, die nur das Zahnfleisch am Implantat betrifft. Der Knochen ist dann noch nicht angegriffen, und diese Entzündung kann ganz abheilen. Wie schnell sie entsteht, zeigt ein Versuch, den die Behandlungsempfehlung der zahnärztlichen Fachgesellschaften auswertet. Ohne jede Reinigung entzündete sich das Zahnfleisch am Implantat schon nach 3 Wochen.
- Bei der Entzündung nur am Zahnfleisch ist der Knochen noch gesund. Diese Entzündung kann vollständig abheilen.
- Bei der Periimplantitis hat die Entzündung den Knochen erreicht. Unbehandelt führt sie zum Verlust des Implantats.
Beides ist häufig. In einer Auswertung vieler Studien lag der Anteil im Mittel bei 43 Prozent für die Entzündung nur am Zahnfleisch und bei 22 Prozent für die Periimplantitis. Die Entzündung tritt an Titanimplantaten und an Keramikimplantaten auf.
Woran erkennen Sie eine Periimplantitis?
Das wichtigste Zeichen ist Bluten. Blutet das Zahnfleisch am Implantat, wenn die Praxis es vorsichtig mit einem dünnen Messstab abtastet, ist das ein deutliches Warnsignal. Dazu kommt gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch. Manchmal geht das Zahnfleisch am Implantat auch zurück.
Bei einer Periimplantitis kommt manchmal Eiter aus der Zahnfleischtasche. In Studien war das bei 16,7 bis 28,7 Prozent der betroffenen Implantate so. Bei gesundem Zahnfleisch und bei einer Entzündung nur am Zahnfleisch trat nie Eiter auf. Fehlt der Eiter, schließt das eine Periimplantitis aber nicht aus.
Die Praxis misst außerdem, wie tief die Zahnfleischtasche am Implantat ist, und vergleicht das mit früheren Messungen. Ein Röntgenbild zeigt, ob Knochen verloren gegangen ist. Erst Bluten, eine tiefere Tasche und Knochenverlust zusammen zeigen zuverlässig, dass es eine Periimplantitis ist.
Manchmal nimmt die Praxis dafür kurz die Krone oder Brücke vom Implantat ab. Ohne sie sieht sie das Implantat direkt und misst genauer.
Wer hat ein höheres Risiko für Periimplantitis?
Die Empfehlung nennt Risiken, die gut belegt sind. Einige liegen bei Ihnen selbst, andere am Zahnersatz auf dem Implantat.
- Sie hatten schon eine Parodontitis, also eine Entzündung des Zahnhalteapparats an den eigenen Zähnen.
- Ihre Mundhygiene ist schlecht.
- Sie hatten eine Strahlentherapie.
- Sie gehen nicht regelmäßig zur Kontrolle.
- Um das Implantat fehlt festes Zahnfleisch, oder der feste Streifen ist schmaler als 2 Millimeter.
- Unter der Krone sind Reste vom Befestigungszement geblieben.
- Die Krone ist am Zahnfleischrand zu breit geformt. Fachleute messen das am Winkel, ab 30 Grad steigt das Risiko.
Die letzten beiden Risiken entstehen bei der Herstellung und beim Einsetzen der Krone, nicht durch das Implantat selbst.
Regelmäßige Nachsorge senkt das Risiko deutlich. Ohne Behandlung wurde aus einer Entzündung nur am Zahnfleisch in 5 Jahren bei 43,9 Prozent eine Periimplantitis. Mit regelmäßiger vorbeugender Betreuung waren es 18,0 Prozent.
Wie wird eine Periimplantitis behandelt?
Die Behandlung beginnt in der Regel ohne Operation. Reicht das nicht, folgt eine Operation, vor allem wenn die Periimplantitis schon weit fortgeschritten ist.
Risiken klären
Die Praxis klärt, welche Risiken bei Ihnen vorliegen, und bespricht Ihre Mundhygiene mit Ihnen. Eine Parodontitis an den eigenen Zähnen behandelt sie mit.
Gründliche Reinigung ohne Operation
Die Praxis entfernt den Belag vom Implantat. Dabei sollen nach der Empfehlung nicht nur Handinstrumente zum Einsatz kommen, sondern etwa auch ein Erbium-Laser oder ein Pulverstrahl mit feinem Glycinpulver.
Kontrolle nach spätestens 6 Monaten
Spätestens nach 6 Monaten prüft die Praxis, ob Bluten und Taschentiefe zurückgegangen sind. Waren die Taschen zu Beginn tiefer als 7 Millimeter, gelten die Aussichten als ungünstiger.
Operation, falls nötig
Wird das Ziel ohne Operation nicht erreicht, operiert die Praxis. Bei weit fortgeschrittener Entzündung soll das früh geschehen.
Nachsorge
Danach kommen Sie regelmäßig zur Kontrolle. Den Abstand legt die Praxis nach Ihrem persönlichen Risiko fest.
Auch eine Entzündung nur am Zahnfleisch behandelt die Praxis mit einer gründlichen Reinigung. Sie heilt aber nicht bei allen Patienten vollständig aus, deshalb rät die Empfehlung dort zu regelmäßigen Kontrollen, zum Beispiel alle 3 Monate.
Hilft auch die Operation nicht, bleibt als letzter Schritt das Entfernen des Implantats. Die Empfehlung nennt dafür klare Gründe.
- Das Implantat ist locker.
- Ein technischer Schaden lässt sich nicht beheben.
- Das Implantat hat eine besondere Bauform, etwa als Hohlzylinder.
- Die Behandlung schlägt dauerhaft nicht an.
- Die Entzündung greift auf benachbarte Bereiche über.
So beugen Sie einer Periimplantitis vor
Vor jeder Behandlung soll die Praxis Ihre Mundhygiene mit Ihnen besprechen und Sie beim Verbessern unterstützen. Ohne gute Pflege zu Hause hält kein Behandlungserfolg lange.
- Reinigen Sie die Zwischenräume an Ihrem Implantat jeden Tag mit Zwischenraumbürsten, so gründlich wie an einem eigenen Zahn.
- Gehen Sie zu jedem vereinbarten Kontrolltermin. Wer Kontrollen auslässt, hat ein höheres Risiko.
- Lassen Sie eine Parodontitis an Ihren eigenen Zähnen konsequent behandeln. Sie erhöht sonst auch das Risiko am Implantat.
- Fragen Sie beim Einsetzen der Krone, ob alle Zementreste entfernt sind.
- Melden Sie Bluten am Implantat beim Putzen Ihrer Praxis, statt abzuwarten.
Was kostet die Behandlung einer Periimplantitis?
Die Behandlung einer Periimplantitis zahlen Sie in aller Regel selbst. Die Kasse gibt für Leistungen am Implantat keinen Zuschuss, und die Behandlung setzt direkt am Implantat an.
Anders kann es nur sein, wenn schon Ihr Implantat einer der seltenen Ausnahmefälle war, in denen die Kasse die Kosten für das Zahnimplantat übernimmt. Das betrifft etwa Patienten nach einer Tumoroperation am Kiefer.
Die Praxis muss Ihnen die voraussichtlichen Kosten vor Beginn schriftlich nennen. Lassen Sie sich dabei die einzelnen Sitzungen, das Reinigungsverfahren und eine mögliche Operation getrennt aufschreiben. So sehen Sie auch, ob die Praxis mit Laser oder Pulverstrahl arbeitet oder nur mit Handinstrumenten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Zahnfleischentzündung am Implantat und einer Periimplantitis?
Eine Zahnfleischentzündung am Implantat betrifft nur das Zahnfleisch und kann ganz abheilen. Bei einer Periimplantitis hat die Entzündung auch den Knochen um das Implantat erfasst. Dieser Knochenverlust schreitet fort und lässt sich unbehandelt nicht rückgängig machen.
Wie oft muss man nach einer Periimplantitis-Behandlung zur Kontrolle?
Nach einer Periimplantitis-Behandlung prüft die Praxis spätestens nach 6 Monaten, ob die Behandlung gewirkt hat. Danach legt sie den Abstand der Nachsorge nach Ihrem Risiko fest. Manchen Patienten reicht eine Untersuchung alle 6 Monate, andere brauchen engere Termine.
Zahlt die Krankenkasse die Behandlung einer Periimplantitis?
Nein, die Behandlung einer Periimplantitis zahlen Sie in aller Regel selbst. Die Kasse gibt für Leistungen am Implantat keinen Zuschuss. Anders kann es nur sein, wenn schon das Implantat ein seltener Ausnahmefall war, den die Kasse bezahlt hat.
Bekommen auch Keramikimplantate eine Periimplantitis?
Ja, eine Periimplantitis kann auch an Keramikimplantaten entstehen, nicht nur an Titanimplantaten. Das stellt die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften ausdrücklich fest. Der Werkstoff schützt also nicht vor der Entzündung.
Kann man durch eine Periimplantitis das Implantat verlieren?
Ja, unbehandelt führt eine Periimplantitis zum Verlust des Implantats. Ein neues Implantat an derselben Stelle braucht dann einen aufwendigen Aufbau von Knochen und Zahnfleisch. Auch die Aussichten für das neue Implantat sind schlechter als beim ersten Mal.
