Zahnärzte

Ratgeber

Keramikimplantat oder Titan, was ist der Unterschied?

Veröffentlicht am

Ein Keramikimplantat besteht aus Zirkonoxid und ist weiß, ein Titanimplantat ist aus Metall. Titan ist seit Jahrzehnten erprobt und gilt als Standard. Einteilige Keramikimplantate sind inzwischen gut untersucht, in Studien über bis zu 7 Jahre waren über 97 Prozent noch im Kiefer. Für zweiteilige fehlen noch Langzeitdaten. Der Festzuschuss ist gleich.

Einteilige Keramikimplantate, bis zu 7 Jahre
über 97 Prozent erhalten
Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften zu Keramikimplantaten, Stand Dezember 2022, Stand 2. Dezember 2022
Bruchrate von Keramikimplantaten, 2004 und 2020
von 3,4 auf 0,2 Prozent
Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften zu Keramikimplantaten, Stand Dezember 2022, Stand 2. Dezember 2022
Studien zu zweiteiligen über 6 Jahre
2 Studien
Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften zu Keramikimplantaten, Stand Dezember 2022, Stand 2. Dezember 2022
Ein weißes Implantat aus Keramik und ein graues Implantat aus Titan liegen nebeneinander auf einem dunklen Tuch.
Zahnimplantate gibt es aus Titan und aus Keramik. Bild: KI generiert.

Woraus bestehen Keramikimplantat und Titanimplantat?

Ein Titanimplantat besteht aus reinem Titan oder einer Titanlegierung. Es ist der am besten untersuchte Werkstoff für Implantate und wird seit Jahrzehnten eingesetzt. Ein Keramikimplantat besteht heute fast immer aus Zirkonoxid, einer sehr festen, weißen Keramik. Der frühere Werkstoff Aluminiumoxid hat sich nicht durchgesetzt, weil solche Implantate häufiger brachen.

Keramikimplantate aus Zirkonoxid sind deutlich jünger, und das sieht man bis heute an den Studien. Zu Titanimplantaten gibt es Daten über sehr lange Zeiträume. Die längste Studie zu Keramikimplantaten, die die Behandlungsempfehlung der zahnärztlichen Fachgesellschaften auswertet, lief 7,8 Jahre.

Bei Keramikimplantaten unterscheidet die Empfehlung zwei Bauformen. Für Ihre Entscheidung ist dieser Unterschied wichtiger als der Werkstoff allein.

  • Beim einteiligen Keramikimplantat sind die künstliche Wurzel und der Aufbau ein festes Stück. Eine mögliche Schwachstelle fällt so weg, aber das Implantat kann nicht geschützt unter dem Zahnfleisch einheilen.
  • Beim zweiteiligen Keramikimplantat sind Wurzel und Aufbau getrennte Teile, wie bei den meisten Titanimplantaten. Es kann unbelastet unter dem Zahnfleisch einheilen, und die Praxis ist beim Eingriff flexibler.

Wie gut sind einteilige Keramikimplantate erforscht?

Für einteilige Keramikimplantate aus Zirkonoxid gibt es inzwischen belastbare Daten. Die Empfehlung stuft sie als ausgereifte Behandlung ein, die als Alternative zum Titanimplantat infrage kommt. Die Fachleute haben das mit 43 Ja-Stimmen, ohne Gegenstimme und bei 2 Enthaltungen beschlossen.

Früher war die Bruchgefahr das größte Problem. Seit die Hersteller ihre Fertigung verbessert haben, brechen Keramikimplantate viel seltener. Zwischen 2004 und 2020 sank die Bruchrate von 3,4 auf 0,2 Prozent.

Mehrere Studien zeigen, wie viele Implantate nach einigen Jahren noch im Kiefer waren. Nach 3 Jahren waren es 98,5 Prozent und 97,5 Prozent. Die längste Studie lief 7,8 Jahre, dort waren alle 83 Implantate noch vorhanden, also 100 Prozent. In Folgestudien blieb der Anteil auch nach 5 Jahren fast gleich.

Studien zu einteiligen Keramikimplantaten aus Zirkonoxid, die die Behandlungsempfehlung auswertet.
StudieZahnersatz daraufBeobachtetNoch im Kiefer
Balmer und Kollegen 2018Einzelkronen und Brücken3 Jahre98,5 Prozent
Bormann und Kollegen 2018Einzelkronen3 Jahre97,5 Prozent
Lorenz und Kollegen 2019Einzelkronen7,8 Jahre100 Prozent, 83 von 83

Diese Zahlen beschreiben Gruppen von Studienteilnehmern. Sie sind kein Versprechen für ein einzelnes Implantat.

Für zweiteilige Keramikimplantate fehlen noch Langzeitdaten

Bei zweiteiligen Keramikimplantaten ist die Datenlage viel dünner. Erste Daten zu Systemen, die man nicht kaufen kann, gibt es seit 2014. Zu den käuflichen zweiteiligen Systemen gibt es nur 2 Studien, die länger als 6 Jahre liefen. Einen abschließenden Vergleich mit Titan erlaubt das nach der Empfehlung noch nicht.

Eine Übersichtsarbeit fand zwar keinen deutlichen Unterschied beim Überleben zwischen ein- und zweiteiligen Implantaten. Es fehlen aber unabhängige Langzeitstudien zu den käuflichen zweiteiligen Systemen.

Das zeigt auch die Abstimmung der Fachleute. Die Empfehlung für einteilige Implantate fiel mit 43 Ja-Stimmen ohne Gegenstimme. Bei den zweiteiligen gab es 30 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen, also nur eine Mehrheit.

So haben die Fachleute über die Empfehlung zu Keramikimplantaten abgestimmt.
BauformEmpfehlungJa / Nein / Enthaltung
Einteiligkann als Alternative empfohlen werden43 / 0 / 2
Zweiteilignur nach ausführlicher Aufklärung30 / 11 / 4

Kosten und Festzuschuss bei Keramik und Titan

Der Eingriff läuft bei Titan und Keramik gleich ab, und die Praxis rechnet ihn nach denselben Nummern der Gebührenordnung ab. Auch der Festzuschuss Ihrer Kasse ist gleich. Er richtet sich danach, wie Ihr Gebiss vor dem Implantat aussah, nicht nach dem Werkstoff. Die Kosten für ein Zahnimplantat bestehen deshalb bei beiden Werkstoffen aus denselben Teilen.

Ein Unterschied entsteht beim Preis für das Implantat selbst. Eine bundesweite Preisübersicht für den Unterschied gibt es nicht. Lassen Sie sich die Materialkosten deshalb für beide Werkstoffe getrennt aufschreiben.

Entzünden können sich beide. Eine Periimplantitis, also eine Entzündung mit Knochenverlust am Implantat, tritt an Titan und an Keramik auf. Ob Keramik seltener betroffen ist, lässt sich nach der Empfehlung bisher nicht sagen. An der Nachsorge ändert der Werkstoff deshalb nichts.

Für wen kommt ein Keramikimplantat infrage?

Ein Keramikimplantat kommt vor allem für zwei Gruppen infrage. Die einen haben eine bekannte Unverträglichkeit gegen Metall. Die anderen möchten grundsätzlich kein Metall im Mund, auch ohne Allergie.

Bei dünnem Zahnfleisch hat das helle Material einen Vorteil beim Aussehen. Ein Titanimplantat kann dort grau durchscheinen, ein Keramikimplantat nicht.

Haben Sie schon einmal allergisch auf ein Metall wie Nickel reagiert, sprechen Sie das vor der Behandlung an. Eine solche Allergie beweist allerdings noch keine Unverträglichkeit gegen Titan.

Ein Keramikimplantat ohne Allergie zu wählen, ist eine persönliche Entscheidung. Wichtig ist, dass Sie den Unterschied in der Studienlage zwischen ein- und zweiteiligen Systemen kennen.

Diese Fragen helfen bei der Wahl des Werkstoffs

Keramik oder Titan, was fragen Sie die Praxis?

Vertragen Sie Metall schlecht oder möchten Sie kein Metall?

Ja

Schlägt die Praxis ein einteiliges Implantat vor?

Ja

Fragen Sie, wie lange genau dieses System in Studien beobachtet wurde. Fragen Sie auch, ob Sie einen Knochenaufbau brauchen.

Nein

Fragen Sie nach den Langzeitdaten zur Verbindung zwischen Implantat und Aufbau. Für zweiteilige Keramikimplantate sind sie noch dünn.

Nein

Ist Ihnen die längste Erfahrung mit einem Werkstoff wichtig?

Ja

Fragen Sie, welche Langzeitstudien es zum vorgeschlagenen Titansystem gibt und wie lange sie liefen.

Nein

Fragen Sie, welches System für Ihre Lücke die bessere Studienlage hat und wie sich die Materialkosten unterscheiden.

  1. Fragen Sie, ob ein einteiliges oder ein zweiteiliges Implantat für Ihre Lücke infrage kommt.
  2. Fragen Sie nach Studien zum konkreten System, das die Praxis vorschlägt, und wie lange sie liefen.
  3. Lassen Sie sich bei einem zweiteiligen Implantat erklären, welche Langzeitdaten zur Verbindung noch fehlen.
  4. Vergleichen Sie die Materialkosten für Keramik und Titan getrennt vom Honorar.
  5. Sprechen Sie eine bekannte Metallallergie an, bevor Sie sich entscheiden.

Häufige Fragen

Wie lange halten Keramikimplantate im Vergleich zu Titanimplantaten?

Einteilige Keramikimplantate waren in Studien nach bis zu 7 Jahren zu über 97 Prozent noch im Kiefer. Für Titanimplantate gibt es Daten über viel längere Zeiträume. Wie Keramikimplantate über mehr als 5 Jahre halten, lässt sich deshalb erst eingeschränkt sagen.

Was ist der Unterschied zwischen einteiligen und zweiteiligen Keramikimplantaten?

Beim einteiligen Keramikimplantat sind Wurzel und Aufbau ein festes Stück, beim zweiteiligen zwei getrennte Teile wie bei den meisten Titanimplantaten. Das zweiteilige Implantat kann geschützt unter dem Zahnfleisch einheilen. Zu einteiligen Keramikimplantaten gibt es aber deutlich mehr Studien.

Gibt es für ein Keramikimplantat einen anderen Festzuschuss als für Titan?

Nein, der Festzuschuss ist bei Keramikimplantat und Titanimplantat gleich hoch. Er richtet sich nach der Zahnlücke vor dem Implantat, nicht nach dem Werkstoff. Das Implantat selbst zahlen Sie in beiden Fällen.

Brechen Keramikimplantate leicht?

Nein, Keramikimplantate brechen heute selten. Die Bruchrate sank zwischen 2004 und 2020 von 3,4 auf 0,2 Prozent, weil die Hersteller die Fertigung verbessert haben. Früher war die Bruchgefahr das größte Problem dieses Werkstoffs.

Für wen eignet sich ein Keramikimplantat?

Ein Keramikimplantat eignet sich vor allem für Menschen, die Metall schlecht vertragen oder keines im Mund möchten. Bei dünnem Zahnfleisch hat das weiße Material einen Vorteil beim Aussehen, weil nichts grau durchscheint. Bei zweiteiligen Systemen sollten Sie die dünnere Studienlage kennen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S3-Leitlinie Keramikimplantate, Langfassung, AWMF-Registernummer 083-039, Stand Dezember 2022, gültig bis Dezember 2027, Deutsche Gesellschaft für Implantologie und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,
  2. S3-Leitlinie Die Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten, AWMF-Registernummer 083-023, Deutsche Gesellschaft für Implantologie und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde,
  3. Gebührenverzeichnis der GOZ, Abschnitt K, implantologische Leistungen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. Festzuschuss-Richtlinie, Teil A und Teil B, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  5. § 630e BGB, Aufklärungspflichten, insbesondere über Behandlungsalternativen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

Einsatz von Sprachmodellen

Eine KI hat die wiederkehrenden Sätze auf den Seiten formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Die Texte werden vor der Veröffentlichung gelesen. Name, Adresse und Kontaktdaten der Praxen stammen dagegen unverändert aus OpenStreetMap. Sie verarbeitet ein festes Programm und keine KI.

Korrekturweg

Eine falsche Adresse, eine geschlossene Praxis oder eine falsche Zuordnung melden Sie über das Kontaktformular. Wir gleichen die Meldung mit der Quelle ab und korrigieren belegte Fehler auf der betroffenen Seite.

Stand dieser Angaben: 2. Oktober 2026.