So viel Festzuschuss zahlt die Kasse 2026
Ihre Krankenkasse zahlt beim Zahnersatz keinen Anteil Ihrer Rechnung, sondern einen festen Betrag in Euro. Dieser Betrag heißt Festzuschuss. Seine Höhe hängt vom Befund ab, also davon, was in Ihrem Mund fehlt oder kaputt ist. Wählen Sie eine teurere Lösung, bleibt der Zuschuss gleich, und nur Ihr Eigenanteil steigt.
Für jeden Befund gibt es eine Standardlösung, die Regelversorgung. Das ist zum Beispiel eine Metallkrone für einen stark zerstörten Zahn oder eine Brücke für eine kleine Lücke. Ein Gremium aus Krankenkassen, Ärzten, Zahnärzten und Kliniken legt fest, welche Lösung das ist, und veröffentlicht jedes Jahr ihren Preis. Ohne Bonusheft beträgt der Festzuschuss 2026 genau 60 Prozent dieses Preises.
Die Beträge gelten seit dem 1. Januar 2026 und werden jedes Jahr neu festgelegt. In sechs häufigen Fällen reicht der Festzuschuss von 239,03 Euro für eine Krone ohne Bonusheft bis 1.051,84 Euro für eine Brücke über zwei fehlende Zähne im Härtefall. Für eine Lücke mit einem fehlenden Zahn bekommen Sie 552,96 Euro ohne Bonusheft und 691,20 Euro mit 10 Jahren Bonusheft.
| Befund | Ohne Bonusheft (60 Prozent) | Bonusheft 5 Jahre (70 Prozent) | Bonusheft 10 Jahre (75 Prozent) | Härtefall (100 Prozent) |
|---|---|---|---|---|
| 1.1 Stark zerstörter Zahn, der eine Krone braucht, je Zahn | 239,03 | 278,87 | 298,79 | 398,39 |
| 2.1 Lücke mit einem fehlenden Zahn zwischen eigenen Zähnen, je Lücke | 552,96 | 645,12 | 691,20 | 921,60 |
| 2.2 Lücke mit zwei fehlenden Zähnen nebeneinander, je Lücke | 631,10 | 736,29 | 788,88 | 1.051,84 |
| 3.1 Größere Lücke oder Lücke am Ende der Zahnreihe, je Kiefer | 571,29 | 666,51 | 714,11 | 952,15 |
| 4.2 Zahnloser Oberkiefer | 576,44 | 672,52 | 720,56 | 960,74 |
| 4.4 Zahnloser Unterkiefer | 617,72 | 720,68 | 772,16 | 1.029,54 |
Auf Ihrem Heil- und Kostenplan steht für jeden Befund eine Nummer, etwa 2.1 für eine Lücke mit einem fehlenden Zahn. Haben Sie mehrere Lücken, zählt die Kasse die Zuschüsse zusammen. Vergleichen Sie Nummern und Beträge vor der Unterschrift, denn ein falsch eingetragener Befund kann Sie mehrere hundert Euro kosten.
Der Festzuschuss ist in jeder Praxis gleich hoch, Ihr Eigenanteil nicht, weil Honorar und Laborpreise verschieden sind. Bei größeren Arbeiten lohnt deshalb ein zweiter Heil- und Kostenplan, und der ist kostenlos. Welche Art von Zahnersatz bei welchem Befund die Regelversorgung ist, zeigt der Überblick über Zahnersatz-Arten und ihre Kosten.
Wie viel mehr Zuschuss bringt das Bonusheft?
Ein lückenloses Bonusheft hebt Ihren Festzuschuss von 60 auf 70 Prozent nach 5 Jahren und auf 75 Prozent nach 10 Jahren. Beim zahnlosen Oberkiefer sind das 96,08 Euro mehr nach 5 Jahren und 144,12 Euro mehr nach 10 Jahren. Bei mehreren Lücken oder Kronen wächst der Unterschied mit jedem Befund. Für Pläne, die ab 2027 bewilligt werden, liegen alle Stufen 10 Prozentpunkte niedriger, aber das Bonusheft bringt weiter 10 oder 15 Prozentpunkte mehr.
Das Heft selbst kostet nichts, und die jährliche Kontrolle beim Zahnarzt bezahlt Ihre Kasse ebenfalls. Für den Weg von 60 auf 75 Prozent brauchen Sie also nur einen Termin im Jahr.
Trotzdem verschenken viele Patienten diesen Bonus. Nach Zahlen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung bekamen 2024 nur 41,0 Prozent der Zahnersatz-Fälle die höchste Stufe, Implantate und andere abweichende Lösungen nicht mitgezählt. Weil Einträge im Bonusheft fehlten, entgingen den Patienten rund 290 Millionen Euro im Jahr.
Zeigen Sie der Praxis Ihr Bonusheft, bevor sie den Heil- und Kostenplan an die Kasse schickt, denn sie trägt die Bonusstufe dort ein. Den Zuschuss gibt es nur, wenn die Kasse den Plan vor Behandlungsbeginn genehmigt hat.
Welche Termine im Bonusheft stehen müssen
Erwachsene brauchen für den Bonus eine Kontrolle beim Zahnarzt in jedem Kalenderjahr, also irgendwann zwischen Januar und Dezember. Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren brauchen eine Untersuchung in jedem Halbjahr, einmal von Januar bis Juni und einmal von Juli bis Dezember. Außerdem prüft die Praxis, ob Ihre Zähne regelmäßig gepflegt sind.
- Es zählt das Kalenderjahr, nicht der Abstand von 12 Monaten. Ein Termin im Januar 2026 und der nächste im Dezember 2027 decken beide Jahre ab.
- Das Jahr 2020 zählt nie als Lücke. Das Gesetz nimmt es ausdrücklich aus.
- Fehlt in 10 Jahren genau ein Termin, kann Ihre Kasse in begründeten Ausnahmefällen trotzdem 75 Prozent zahlen. Fragen Sie danach, bevor der Plan zur Kasse geht.
- Für Härtefälle gilt diese Ausnahme nicht.
- Statt des Papierhefts können Sie ein elektronisches Bonusheft in Ihrer elektronischen Patientenakte führen. Es zählt genauso, wenn die Praxis jede Untersuchung dort einträgt.
Wann sind Sie beim Zahnersatz ein Härtefall?
Als Härtefall zahlt Ihre Kasse die Regelversorgung ganz. Sie bekommen zu den 60 Prozent noch einmal 40 Prozent dazu, ab 2027 zu 50 Prozent noch einmal 50 Prozent, jeweils angepasst an die Kosten, die tatsächlich anfallen. Beim zahnlosen Unterkiefer sind das 1.029,54 Euro statt 617,72 Euro.
Härtefall werden Sie auf einem von zwei Wegen. Entweder Sie bekommen bestimmte Sozialleistungen, oder Ihr Einkommen liegt nicht über einer festen Grenze. Diese Sozialleistungen zählen:
- Sie bekommen Grundsicherungsgeld vom Jobcenter, früher Bürgergeld genannt.
- Sie bekommen Sozialhilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung.
- Sie bekommen BAföG oder eine Ausbildungsförderung von der Arbeitsagentur.
- Das Sozialamt oder eine Entschädigungsstelle zahlt Ihre Kosten im Heim.
Die Einkommensgrenze hängt an der Bezugsgröße, einem Rechenwert der Sozialversicherung. Sie liegt 2026 bei 3.955 Euro im Monat. Leben Sie allein, liegt die Grenze bei 40 Prozent davon, also bei 1.582,00 Euro brutto im Monat. Für den ersten Angehörigen im Haushalt kommen 15 Prozent dazu und für jeden weiteren 10 Prozent, mit Partner und zwei Kindern also 2.966,25 Euro.
| Wer im Haushalt lebt | So wird gerechnet | Grenze im Monat |
|---|---|---|
| Sie allein | 40 Prozent von 3.955 Euro | 1.582,00 Euro |
| Sie und ein Angehöriger | 40 plus 15 Prozent | 2.175,25 Euro |
| Sie, Partner und ein Kind | 40 plus 15 plus 10 Prozent | 2.570,75 Euro |
| Sie, Partner und zwei Kinder | 40 plus 15 plus zweimal 10 Prozent | 2.966,25 Euro |
Die Einnahmen der Angehörigen im Haushalt zählen mit, bestimmte Entschädigungsrenten für Gesundheitsschäden dagegen nicht. Reichen Sie Ihre Einkommensnachweise vor Behandlungsbeginn bei der Kasse ein. Wählen Sie als Härtefall eine teurere Lösung als die Regelversorgung, zahlt die Kasse nur noch den festen Betrag der Regelversorgung.
Bekommen Sie Grundsicherungsgeld, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter oder BAföG?
Sie sind Härtefall, und die Kasse zahlt die Regelversorgung ganz.
Liegen Ihre Einnahmen bei höchstens 1.582 Euro im Monat, mit Angehörigen entsprechend höher?
Sie sind Härtefall über das Einkommen, und die Kasse zahlt die Regelversorgung ganz.
Ist Ihr Bonusheft 10 Jahre lang ohne Lücke?
Ihr Festzuschuss beträgt 75 Prozent, bei Bewilligung ab 2027 65 Prozent.
Ist Ihr Bonusheft 5 Jahre lang ohne Lücke?
Ihr Festzuschuss beträgt 70 Prozent, bei Bewilligung ab 2027 60 Prozent.
Ihr Festzuschuss beträgt 60 Prozent, bei Bewilligung ab 2027 50 Prozent. Liegt Ihr Einkommen knapp über der Grenze, lassen Sie den gleitenden Härtefall prüfen.
Gleitender Härtefall bei Einkommen knapp über der Grenze
Liegt Ihr Einkommen knapp über der Härtefall-Grenze, zahlt die Kasse einen Zusatzbetrag. Er wird kleiner, je mehr Sie verdienen. Die Kasse zieht vom Festzuschuss das Dreifache des Betrags ab, um den Sie über der Grenze liegen, und zahlt Ihnen den Rest zusätzlich.
Grundlage ist dabei immer der Festzuschuss ohne Bonus, also die Stufe mit 60 Prozent, bei Bewilligung ab 2027 mit 50 Prozent. Ein volles Bonusheft ändert an dieser Rechnung nichts.
Einkommen feststellen
Sie leben allein und haben 1.700 Euro brutto im Monat.
Betrag über der Grenze berechnen
1.700 Euro minus die Grenze von 1.582 Euro ergeben 118 Euro.
Mal drei nehmen
Das Dreifache von 118 Euro sind 354 Euro. Diesen Teil tragen Sie selbst.
Vom Festzuschuss abziehen
Der Festzuschuss ohne Bonus beträgt beim zahnlosen Oberkiefer 576,44 Euro. Minus 354 Euro bleiben 222,44 Euro als Zusatzbetrag.
Obergrenze prüfen
Mehr als den vollen Betrag der Regelversorgung zahlt die Kasse nie, hier 960,74 Euro. Diese Grenze erreichen Sie im Beispiel nicht.
Summe bilden
Sie bekommen 576,44 plus 222,44 Euro, zusammen 798,88 Euro. Ihr Eigenanteil bei der Regelversorgung sinkt damit von 384,30 auf 161,86 Euro.
Beim zahnlosen Oberkiefer bringt die Regel ab rund 192 Euro über der Grenze nichts mehr, also ab etwa 1.774 Euro im Monat. Bei kleineren Befunden liegt diese Schwelle niedriger, bei größeren höher. Reichen Sie Ihre Einkommensnachweise deshalb auch dann ein, wenn Sie knapp über der Grenze liegen.
Was der Festzuschuss beim Implantat nicht zahlt
Für das Implantat selbst, den Aufbau und die Verbindungsteile gibt es keinen Festzuschuss. Die Kasse zahlt nur für die Krone oder Brücke auf dem Implantat, und zwar so viel, wie für den Befund vor dem Setzen des Implantats vorgesehen ist. Fehlte ein einzelner Zahn, sind das 552,96 Euro ohne Bonusheft, egal was Implantat und Krone zusammen kosten.
3 Wege, die Kosten über dem Zuschuss zu tragen
- Sie bleiben bei der Regelversorgung. Dann zahlen Sie 40, 30 oder 25 Prozent des festen Betrags, ab 2027 50, 40 oder 35 Prozent, und dazu, was die Praxis über diesem Betrag berechnet.
- Sie schließen eine Zahnzusatzversicherung ab, lange bevor eine Behandlung ansteht. Fast alle Tarife haben Wartezeiten und zahlen in den ersten Jahren nur begrenzt. Für eine schon angeratene Behandlung zahlt kein Tarif.
- Sie beantworten die Gesundheitsfragen im Antrag vollständig. Verschweigen Sie eine angeratene Behandlung, kann sich der Versicherer vom Vertrag lösen, und zwar genau dann, wenn es teuer wird.
Vergleichen Sie bei einer Zahnzusatzversicherung für Zahnersatz vor allem Wartezeit, Erstattungssatz und Höchstbeträge. Fragen Sie auch, ob der Tarif nur den Rest nach dem Festzuschuss erstattet oder einen Anteil der ganzen Rechnung.
Häufige Fragen
Zählt das Jahr 2020 als Lücke im Bonusheft?
Nein, das Jahr 2020 zählt im Bonusheft nie als Lücke. Das Gesetz nimmt dieses Jahr ausdrücklich aus. Wer 2020 keinen Kontrolltermin hatte, behält seinen Anspruch auf den höheren Zuschuss, wenn die übrigen Jahre lückenlos sind.
Gibt es einen Festzuschuss, wenn Sie sich für ein Implantat entscheiden?
Ja, aber der Festzuschuss gilt nur für die Krone oder Brücke auf dem Implantat. Für das Implantat selbst, den Aufbau und die Verbindungsteile zahlt die Kasse nichts. Bei einer Lücke mit einem fehlenden Zahn sind das 2026 ohne Bonusheft 552,96 Euro.
Was passiert mit dem Härtefall, wenn Sie teureren Zahnersatz wählen?
Wählen Sie eine teurere Lösung als die Regelversorgung, etwa eine Vollverblendung oder ein Implantat, verlieren Sie als Härtefall den vollen Schutz. Die Kasse zahlt dann nur noch den festen Betrag der Regelversorgung. Alles darüber zahlen Sie selbst, deshalb lassen Sie sich den Eigenanteil vorher ausrechnen.
Wie weisen Sie Bonusheft-Termine nach, wenn Sie die Zahnarztpraxis gewechselt haben?
Die frühere Zahnarztpraxis kann Ihre Kontrolltermine aus ihren Unterlagen bestätigen, denn sie muss Ihre Behandlungsakte 10 Jahre lang aufbewahren. Sie dürfen die Akte einsehen, und die erste Kopie ist kostenlos. Fordern Sie die Bestätigung schriftlich an, bevor der Heil- und Kostenplan zur Kasse geht.
Zahlt die Kasse den Festzuschuss auch für Zahnersatz aus dem EU-Ausland?
Ja, für Zahnersatz aus der EU, aus Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz zahlt die Kasse höchstens den Betrag, den sie in Deutschland gezahlt hätte. Sie zieht dabei bis zu 5 Prozent für Verwaltungskosten ab. Lassen Sie den Heil- und Kostenplan vorher genehmigen. Die Gewähr von 2 Jahren gilt nur bei einer Kassenpraxis in Deutschland.
